Cannabidiol (CBD) ist eine nicht-psychoaktive Verbindung aus der Cannabispflanze. Als Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden eingesetzt, weckt er das Interesse der Forschung – vor allem hinsichtlich seiner Wirkung auf das Gehirn. Der 2024 veröffentlichte wissenschaftliche Artikel Cannabidiol and brain function: current knowledge and future perspectives[1] fasst den aktuellen Wissensstand zusammen. Ein Überblick.
Wie CBD mit Rezeptoren und Neurotransmittern interagiert
Die Wirkungsweise von CBD ist komplex und lässt sich nicht auf einen einzigen Mechanismus zurückführen. Obwohl die genauen Signalwege noch nicht vollständig geklärt sind, legen Studien nahe, dass CBD mit verschiedenen Rezeptoren interagiert, darunter:
· TRPV1, der Rezeptor für Kältereize, Schmerz und Juckreiz. CBD wirkt als TRPV1-Agonist und kann eine Desensibilisierung des Rezeptors auslösen, was mit analgetischen Effekten in Verbindung gebracht wird[2].
· CB1, CB2 : Die Wirkungen von CBD auf diese Rezeptoren werden mit der Regulierung von Schmerz sowie Angst in Zusammenhang gebracht[3]
· GPR55 : CBD wirkt als GPR55-Antagonist und könnte darüber entzündungshemmende Effekte entfalten[4]
· 5-HT1A, der Serotonin-Rezeptor, der eine schützende Rolle gegenüber oxidativem Stress spielt. In einer Studie konnte eine CBD-Behandlung oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen über diesen Rezeptor teilweise abschwächen[5]
· A2a, der Adenosin-Rezeptor: Durch die Stimulation dieses Rezeptors könnten entzündungshemmende und neuroprotektive Effekte entstehen[6].
Die potenziell vorteilhaften, aber variablen Wirkungen von CBD auf das Gehirn
Die bisherige Forschung zu CBD deutet auf verschiedene mögliche Wirkungen auf das Gehirn hin.
Psychisches Wohlbefinden
Indem CBD die Aktivität von Hirnregionen reguliert, die mit Angst und Stress in Verbindung stehen, wird ihm eine anxiolytische Wirkung auf das zentrale Nervensystem zugeschrieben – und eine mögliche Förderung der Entspannung. Bei Personen, die unter Angstzuständen leiden, könnte er indirekt den Schlaf verbessern[7]. Auch antidepressive Effekte von CBD wurden in Studien beobachtet[8].
Kognition
Mehrere Studien weisen auf positive Effekte von CBD auf verschiedene Aspekte des menschlichen Verhaltens hin, insbesondere auf Schlaf und Gedächtnis. Bei Ratten milderte eine CBD-Vorbehandlung Gedächtnisdefizite ab[9]. Ein diskutierter Mechanismus, über den CBD Gedächtnisbeeinträchtigungen entgegenwirken könnte, basiert auf seinen antioxidativen Eigenschaften: Indem CBD das Risiko von oxidativem Stress verringert, könnte er Gehirnzellen schützen.
Das Nervensystem
Da CBD antikonvulsive Eigenschaften besitzt[10], ist er vor allem für seine Rolle im Zusammenhang mit der Behandlung von Epilepsie-Anfällen bekannt. Darüber hinaus könnte er das Potenzial haben, Symptome verschiedener Hirnerkrankungen wie Alzheimer, Huntington und Parkinson abzuschwächen.
Die Grenzen der Forschung: Was du wissen solltest, bevor du CBD verwendest
Auch wenn die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu CBD vielversprechend sind, sollte man sie mit einer gewissen Vorsicht betrachten. Einerseits werden die meisten Tests an Tieren oder kleinen menschlichen Stichproben durchgeführt. Andererseits hängen die Effekte von CBD auf den Körper von mehreren Faktoren ab: deiner persönlichen Empfindlichkeit gegenüber CBD, der eingenommenen Dosis sowie der Qualität des jeweiligen Produkts.
Um das volle Potenzial von CBD bestmöglich zu nutzen, solltest du vor allem auf eine vertrauenswürdige Marke setzen. CBD-Produkte sind nach wie vor wenig reguliert – mit unseriösen Anbietern und ungenauen Formulierungen.
Quellen:
[1] Schouten, M., Dalle, S., Mantini, D., & Koppo, K. (2024). Cannabidiol and brain function: current knowledge and future perspectives. Frontiers in pharmacology, 14, 1328885. https://doi.org/10.3389/fphar.2023.1328885
[2] CostaB.GiagnoniG.FrankeC.TrovatoA. E.ColleoniM. (2004). Vanilloid TRPV1 receptor mediates the antihyperalgesic effect of the nonpsychoactive cannabinoid, cannabidiol, in a rat model of acute inflammation. Br. J. Pharmacol.143 (2), 247–250. 10.1038/sj.bjp.0705920
[3] BisognoT.HanusL.De PetrocellisL.TchilibonS.PondeD. E.BrandiI.et al (2001). Molecular targets for cannabidiol and its synthetic analogues: effect on vanilloid VR1 receptors and on the cellular uptake and enzymatic hydrolysis of anandamide. Br. J. Pharmacol.134 (4), 845–852. 10.1038/sj.bjp.0704327
[4] LinX. H.YueceB.LiY. Y.FengY. J.FengJ. Y.YuL. Y.et al (2011). A novel CB receptor GPR55 and its ligands are involved in regulation of gut movement in rodents. Neurogastroenterol. Motil.23 (9), 862–e342. 10.1111/j.1365-2982.2011.01742.x
[5] PazosM. R.MohammedN.LafuenteH.SantosM.Martínez-PinillaE.MorenoE.et al (2013). Mechanisms of cannabidiol neuroprotection in hypoxic-ischemic newborn pigs: role of 5HT(1A) and CB2 receptors. Neuropharmacology71, 282–291. 10.1016/j.neuropharm.2013.03.027
[6] CarrierE. J.AuchampachJ. A.HillardC. J. (2006). Inhibition of an equilibrative nucleoside transporter by cannabidiol: a mechanism of cannabinoid immunosuppression. Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A.103 (20), 7895–7900. 10.1073/pnas.0511232103
[7] ShannonS.LewisN.LeeH.HughesS. (2019). Cannabidiol in anxiety and sleep: a large case series. Perm. J.23, 18–041. 10.7812/TPP/18-041
[8] SchiavonA. P.BonatoJ. M.MilaniH.GuimarãesF. S.Weffort de OliveiraR. M. (2016). Influence of single and repeated cannabidiol administration on emotional behavior and markers of cell proliferation and neurogenesis in non-stressed mice. Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry64, 27–34. 10.1016/j.pnpbp.2015.06.017
[9] PeresF. F.LevinR.SuiamaM. A.DianaM. C.GouvêaD. A.AlmeidaV.et al (2016). Cannabidiol prevents motor and cognitive impairments induced by reserpine in rats. Front. Pharmacol.7, 343. 10.3389/fphar.2016.00343
[10] BatallaA.BosJ.PostmaA.BossongM. G. (2020). The impact of cannabidiol on human brain function: a systematic review. Front. Pharmacol.11, 618184. 10.3389/fphar.2020.618184


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